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|  Reisejournal Südamerika 2007  |

 

Sonntag, 21. Oktober 2007, 15:07 Uhr

Südamerika, ich komme :-)

Bin in den Startlöchern Richtung Flughafen Frankfurt, Terminal 2 Halle E. Ein neuer Kontinent, zwei Monate Zeit zum Reisen und keine Sprachkenntnisse. Wie spannend, Backpacking Level 2!

Aufregung verspüre ich im Vergleich zu den letzten Tagen nicht mehr. Na ja, sagen wir mal: Ich bin kein Nervenbündel und muss nicht ständig nur daran denken, wie es mir in den kommenden Wochen ergehen wird und was ich bei meiner Vorbereitung vergessen haben könnte. Erstmal pünktlich am Flughafen sein und im von sonnigen 28 Grad Celsius geprägten Buenos Aires ankommen und sehen, was mich erwartet. Kann ja nur grossartig werden, wenn man den ganzen Tag darauf verwenden darf, es sich gut gehen zu lassen. Mein erstes Highlight erwartet mich Ende der Woche: Wale in der Bucht von Valdés an der Atlantikküste Argentiniens.

Vielen Dank für eure guten Wünsche zum Abschied :-) Bye the way ... meine Handynummer ist ab 26. Oktober erstmal nicht mehr erreichbar. Erst wieder nach Weihnachten. Erreichbar bin ich eigentlich nicht, melde mich aber an dieser Stelle immer mal wieder, um über meine Reiseerlebnisse zu berichten. Mails an mobil[at]sube.info rufe ich 1-2 Mal pro Woche ab. So, jetzt aber los zum Flughafen ... bis bald von jwd ;-)

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Montag, 22. Oktober 2007, 14:26 Uhr

Auf südamerikanischem Boden

Santiago de Chile, 21. Oktober, 09:30 Uhr - Kurze Zwischenlandung in Santiago de Chile: Alles super bei mir, gleich geht es weiter zum letzten Flug nach Argentinien, wo mich große Hitze erwartet. Habe den Langstreckenflug gut überstanden und trotz verspäteter Ankunft in Madrid als einer der letzten Passagiere auch noch erreicht.

Nachher lasse ich mich - die Bequemlichkeit goenne ich mir doch - in Buenos Aires am Flughafen abholen und ins auserwaehlte Hostel "La Menesunda" bringen. Ehrlich gesagt hatte ich nicht wirklich damit gerechnet, dass die Blitzreservierung per Mail noch funktioniert, aber gerade kam die Antwort von Javier, dass alles klar geht. Schoen. Freue mich jetzt gerade ausserordentlich auf Duschen und Glieder ausstrecken :-)

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Montag, 22. Oktober 2007, 23:02 Uhr

Ankunft in Buenos Aires

Buenos Aires, 22. Oktober, 18:02 Uhr - So gut finde ich die Luft hier gar nicht ;-). Mein erster Eindruck der Stadt beschraenkt sich momentan auf die Fahrt vom Flughafen zum Hostel und die Attribute laut, abgerissen und abgasgeschwaengert. Nach über 20 Stunden in geschlossenen Räumen stoert mich zur Zeit aber so gar nichts und ich bin sehr froh darüber, im kühlen Innenhof meines Hostales zu sitzen, strahlend blauen Himmel über meinem Haupt.

Auch beim letzten Flugabschnitt lief alles glatt: Puenktlich gelandet, Fensterplatz beim Flug ueber die Anden (wooow! siehe Bild) und mein Rucksack hat mir die grosse Freude bereitet, heil und gleichzeitig mit mir in Buenos Aires angekommen zu sein. Eine Sorge weniger! Der Pick-Up-Service hat auch bestens geklappt: Am Ende der Ankunftshalle stand ein beanzugter aelterer Herr mit meinem Namensschild (hihi: "Susannah Berksis") und erklaerte mir wohl irgendwie auf Spanisch, dass wir noch auf zwei weitere Fluggaeste warten muessen und dann losfahren. Um genau zu sein habe ich nur "zwei" und "losfahren" verstanden ;-)

Allesamt standen wir dann kurze Zeit vorm Flughafengebaeude bis ein schwarzer Kleinwagen mit quietschenden Reifen angeheizt kam, in den sofort mein Gepaeck verfrachtet und ich auf den Ruecksitz bedeutet wurde. Bevor ich irgendwie reagieren konnte, fuhr der Wagen dann jedoch ohne den Rest der Truppe genauso schnell los ... *schluck*. Der Fahrer sprach wohl ebenfalls nur Spanisch und wirkte vom Start weg wenig vertrauenerweckend auf mich. Waehrend der folgenden 30 Minuten Fahrt quaelten mich duestere Gedanken und ein mulmiges Gefuehl in der Magengegend: Warum sitze ich jetzt ganz allein in diesem Wagen, es waere doch noch Platz gewesen fuer die anderen zwei? Wohin geht die Fahrt und was hat der Kerl mit mir vor? Werde ich nun Opfer eines Gepaeckraubs vor dem mein Reisefuehrer warnt? Was heisst jetzt nochmal "Hilfe" auf Spanisch? Huiuiui, komisches Gefuehl.

Zu meiner grossen Erleichterung endete die rasante Fahrt (die fahren echt alle wie die Schweine, bin um mehrere Jahre gealtert ;-) nicht in einer dunklen abgelegenen Seitenstrasse, wo ich ohne Geld und Gepaeck zurueckgelassen werden wuerde, sondern in der Avenida Boede vorm Hostel. Der nun recht freundlich laechelnde Riese kassierte 24 US$, entlud mein Gepaeck und wuenschte mir eine schoene Zeit. Puuuh, also alles nur Kopfkino und mit geschaerften Sinnen am Ziel!

Der Empfang im Hostel war sehr warmherzig und englischsprachig! Schoen ist es hier - von meinem Zimmer mal abgesehen, denn da steht auf engstem Raum nur ein Etagenbett, ein Schrank, ein Stuhl und ein Riesenventilator drin - und wie man das von Hostels so kennt, ist alles zweckmaessig und urig eingerichtet. Fruehstueck und Internet gibt es for free, um die Ecke fahren Busse sowie die Subte (U-Bahn) ab und man kann in diesem Stadtviertel laut Reisefuehrer getrost auch mal vor die Tuer, wenn es schon dunkel wird. Hab ich zwar nicht vor, aber trotzdem ein angenehmes Gefuehl ;-) Das Programm fuer diesen Tag war ohne zu ueberlegen ganz klar: Stromversorgung fuer PDA und Akkus aktivieren, duschen, das Stadtviertel Boedo zu Fuss erkunden, im Supermarkt gegenueber einkaufen und frueh schlafen gehen :-) Und morgen? Grosse Stadtbesichtigung und Flugticket nach Trelew besorgen. Und Freizeit und Sonne geniessen, davon hat es gerade reichlich ;-)

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Mittwoch, 24. Oktober 2007, 22:51 Uhr

Big City Buenos Aires

Buenos Aires, 24. Oktober, 17:51 Uhr - Grossstadtrummel ist einfach nix fuer mich, das hat sich in den beiden Tagen in Buenos Aires wieder bewahrheitet. So viele Strassenverkehrsteilnehmer auf einen Schlag ueberfordern mich irgendwie. Menschenmassen draengen sich durch die meist engen Strassen. Unzaehlige Fahrzeuge, darunter jede Menge Busse, machen sich gegenseitig den Platz streitig, einen Heidenlaerm und Gestank. Auf zweispurigen Strassen quetschen sich meist drei Fahrzeuge nebeneinander und ein vierter draengelt sich hupend auch noch vorbei. Dazwischen noch jede Menge Roller und Motorraeder. Sicherheitsabstand, Blinker, rote Ampeln? Interessiert kaum. Keine 10 Pferde wuerden mich in der Innenstadt ans Steuer eines Autos kriegen. Am schlimmsten sind die vielen vielen Autobusse, die besonders laut sind und besonders uebel stinken. Die Geraeuschkulisse ist einfach krass, denn Hupen und Sirenengehaeul sind permanent zugegen, der alarmierende Effekt geht damit gegen null. Am krassesten jedoch fand ich die Tatsache, dass Fussgaengerampeln zwar zahlreich vorhanden sind (*freu*), aber von den meisten Passanten wie Fahrzeugen nicht beachtet werden. Man wird schon irgendwie schief angesehen, wenn man an einer roten Ampel stehen bleibt und darf sich im Gegenzug keinesfalls darauf verlassen, dass man bei gruen ungefaehrdet ueber die Strasse gehen kann. Zweimal hat mich heute ein Taxi (die haben es besonders eilig) und gestern ein Motorrad fast umgemaeht (bei gruen!) und nur das Hupen hat mich zum rettenden Hop forward auf den Gehsteig gerettet. Oder vielleicht war es auch die Luftdruckwelle, denn hupen tut es ja staendig irgendwie ... aber genug davon ;-)

In erster Linie zu Fuss, habe ich mir gestern und heute mit Daypack, Kamera und Stadtplan bewaffnet einige ganz unterschiedliche Stadtteile von Buenos Aires angesehen (natuerlich auch ausgiebig fotografiert) und dabei Busfahren auf argentinisch gelernt, so einfach ist das naemlich nicht! Im Innenstadtbereich um die Plaza de Mayo ist das sog. Bankenviertel, was soviel heisst, dass jedes zweite Gebaeude irgendeine imposante Bank ist, nationale, regionale und internationale nebst Securityguards vor der Tuer. Nicht so spannend. Hier habe ich mir dann gleich im Buero von Aerolineas Argentinas ein Flugticket nach Trelew (Peninsula Valdes) besorgt. Die Weiterreise ist also gesichert :-)

Am Nachmittag stand das Stadtviertel La Boca auf dem Plan. Um dorthin zu kommen, muss man erstmal den richtigen Bus finden und schnallen, wie das funktioniert. Das hat mich ganze anderthalb Stunden beschaeftigt. Meine erste Idee war, einfach mal einen Busfahrer zu fragen. Mit einem Geldschein in der Hand stieg ich dann in einen Bus, auf dem "Boca" stand. Der Fahrer sagte nur "Moneda. Moneda". Ich zeigte ihm mein "Geld" und er sagte immer wieder nur voellig entnervt "Moneda". Ok, wieder raus. Ein Fahrgast sagte dann noch "No La Boca", also falscher Bus noch dazu. So ging es mir dann noch dreimal. Ich hielt es dann fuer das Beste, an der naechsten Bushaltestelle zu der ich mich durchgefragt hatte, mal die Menschen zu beobachten. Alle hatten Muenzen in der Hand und ich begriff, dass "Moneda" eben Muenzen heisst. Eine freundliche aeltere Dame hat dann doch tatsaechlich ihre paar Brocken Englisch bemueht und abschliessend Licht ins Dunkel gebracht und mir erklaert was zu tun ist. Busfahren funktioniert naemlich so: Man achte auf die richtige Nummer des Busses in die richtige Richtung, steigt in den Bus und sagt dem Fahrer "Ochenta", was 80 bedeutet und wirft 0,80 Pesos in Muenzen (!) in einen Zahlautomaten weiter hinten im Bus, der dann nach einer Weile ein Ticket ausspuckt. Man betaetigt auf keinen Fall den grossen Hebel unten rechts an der Maschine, sonst oeffnet sich der Automat und man kriegt ganz boese geschimpft. Dann stellt man sich hin und haelt sich ganz arg gut fest ;-)

Die schoene Atmosphaere im Stadtteil La Boca hat mich fuer die Bustortur entschaedigt: Superschoene bunte beschauliche Haeuschen, Tangobars, Strassenmusiker, -taenzer und -kuenstler ueberall. In der Nachmittagssonne bin ich solange umhergeschlendert, bis mich mehrere Leute gestikulierend drauf aufmerksam gemacht haben, dass ich hier nicht mehr weitergehen soll, mit der dicken Kamera um den Hals und so. Ok, so gegen Abend sollte man sich als Touri sowieso auf jeden Fall dort nicht blicken lassen. Stolz ueber meine neugewonnen Nahverkehrskenntnisse bin ich also nach 2,5 Stunden mit argentinischer Tangomusik und Sonnenbrand auf der Nase wieder zurueck in "meinen" noerdlichen Stadtteil Boedo gefahren.

Heute habe ich den Tag wieder mit argentinischer Feigenmarmelade (so was gibts also auch ;-) begonnen, ausgecheckt und mich recht frueh auf den Weg in die Stadt gemacht. Mit der U-Bahn, was vergleichsweise einfach, noch billiger (0,70 Pesos) und vor allem schnell ist. Die Stadtteile Puerto Madero an der Costa del Sur und San Telmo habe ich mir angesehen, bevor zu meiner Verabredung um 15:30 Uhr mit dem Airporttaxi zurueck ins Hostel musste. Puerto Madero hat mich beeindruckt, weil es total im Kontrast zu den teilweise zugemuellten und abgerissen Ecken steht, die ich bisher gesehen habe (von La Boca mal abgesehen, das ist irgendwie eine eigene Welt fuer sich). Es liegt ganz im Sueden der Stadt, vor einer Lagune mit Naturschutzgebiet drumherum, ein ganz grosser gruener Fleck auf der Stadtkarte. Leider stinkt es da ziemlich uebel ... so lange habe ich es da dann nicht ausgehalten. Die Wohngebiete in der Naehe sehen neu und wohlhaben aus, also langweilig. San Telmo fand ich nett, es ist noch eine Spur ruhiger und aelter als die Innenstadt. Die Zahl der Cafes und Bars kam mir dort noch hoeher vor.

Neben den geschilderte Unannehmlichkeiten will ich nicht unerwaehnt lassen, dass es einige sehr schoene und gepflegte Ecken gibt, prunkvolle Gebaeude, Kirchen, Parks und Statuen, die vom einstigen Reichtum zeugen. Vor 10 Jahren war es insgesamt sicher schoener hier. Die Waehrungskrise hat dem Land und den Menschen grossen Schaden angetan. Fehlendes Geld fuer die Verschoenerung des Stadtbildes und Muellentsorgung ist da sicher eins der kleinsten Probleme. Da in Kuerze wohl ein neuer Stadtrat gewaehlt wird, gab es viele Wahlkampfaktionen (es kandidieren so rein optisch gesprochen Little Joe, Hans Meiser und die Pavarotti) und auch einige wuetende Demonstrationen, v.a. natuerlich im Banken-/Regierungsviertel zu beobachten. Sobald ich einen Argentinier treffe, der vernuenftig Englisch spricht, muss ich mir das mal naeher erklaeren lassen. Alles in allem muss ich aber sagen, dass ich froh bin, heute wegzukommen an die Kueste, raus aus dem Grosstadtstress, dem Laerm und der stickigen Hitze. Zum Runterkommen ist das hier echt nix. Ab ans Meer, Ruhe und frische Luft geniessen!

Meine Fotos sind mittlerweile auch hochgeladen und stehen in der Bildergalerie "Buenos Aires" bereit :-)

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Freitag, 26. Oktober 2007, 01:37 Uhr

Endlich am Meer in Puerto Madryn

Puerto Madryn, 25. Oktober, 20:37 Uhr - Das war der aufregendste Flug meines Lebens! Nicht wegen der Vorfreude auf das Naturparadies Peninsula Valdés, sondern weil die Maschine heftigst durchgeschüttelt wurde, draussen nur graue Wolken, drinnen flackerndes Licht und nervöse Gesichter um mich herum, schluck. Mir kam fast das zu Beginn servierte Sandwich wieder hoch bei der Schauklerei. Was da immer mal wieder durchgesagt wurde hab ich nicht verstanden. Meinen südamerikanischen Sitznachbarn zur Linken standen die Schweißperlen auf der Stirn und mein asiatischer Sitznachbar links trug ein T-Shirt mit dem Dharma-Symbol drauf (für "Lost"-Insider), wie geil. Besorgt mir das bitte mal jemand? Erst nach der Landung auf diesem winzigen Flughafen wurde mir beim Verlassen des Fliegers klar, was fürn heftiger Sturm da tobt, also kein Wunder.

In Trelew bei Dunkelheit und Vollmond angekommen, schnappte ich mir eine Fahrt im Minivan ins ca. 70 km entfernte Puerto Madryn und quatschte mit Monica, die schwerstens beeindruckt war, dass ich alleine reise, was sie wohl dazu bewegte, mir ihre Telefonnummer und Adresse zu geben, falls ich Hilfe brauche. Brauche ich zwar nicht, fand ich aber so nett, dass ich da vielleicht mal auf einen Cafe con leche vorbeigehe. Ich muss jetzt bald auf jeden Fall mal in Ruhe ans Meer, gerne auch ganz ohne Kaffee und Gesellschaft ;-)

Im ausgewählten Hostel - hat mir ein beeindruckend rede- und reisefeudiger Kolumbianer empfohlen (der in New York lebt und Buenos Aires total gemütlich findet, lol) - gab es auch tatsächlich noch ein Bett im 4er Dorm. Lucky, das war nämlich das letzte Bett für gestern Nacht. Das Hostel El Gualicho (YHA) ist echt gemütlich und bietet auch Touren zur Peninsula an, also zu den dortigen Pinguin-, Seehund- und See-Elefanten-Kolonien ... und zu den Walen. Die sind auch - mit Ausnahme der Orcas - brav alle gekommen und tummeln sich im Golf von Valdes. Toll :-) Morgen früh werde ich alles hoffentlich mit eigenen Augen sehen, denn um 8 beginnt meine Tagestour. Vielleicht habe ich ja sooo großes Glück, dass ich einen der ersten Killerwale an der Punta Norte zu Gesicht kriege? Southern Right Whales sind sicher da, wurde mir bestaetigt. Freue mich wie ein kleines Kind ... bitte mir die Daumen drücken :-)

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